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Gesundheitsdienst

 

1. Informationsmaterial für Ärztinnen
Immer wieder wird der IFHS mit Bitten um Informationsmaterial für VertreterInnen von Heilberufen konfrontiert, die körperliche Erkrankungen diagnostizieren und therapieren. Wir stehen derartigen Anfragen vergleichsweise hilflos gegenüber, da es bisher praktisch keine medizinwissenschaftlichen Publikationen zum Thema Hochsensibilität im Kontext von Diagnostik und Therapie physischer (körperlicher) Erkrankungen gibt.

Dies erklärt sich dadurch, dass Hochsensibilität bis heute in erster Linie ein Thema der Differenziellen bzw. Persönlichkeitspsychologie ist: Man untersucht das Phänomen unter der Fragestellung, inwieweit es Persönlichkeit, Verhaltensformen und Fähigkeiten Betroffener prägt oder beeinflusst; eine Betrachtung des Phänomens aus therapeutischer Sicht erfolgt, wenn überhaupt, nur unter psychopathologischen Aspekten. HSPs berichten zwar von Überempfindlichkeit gegenüber Schmerzen, stärkerer Reaktion auf Medikamente und ohne das Konstrukt HS schwer erklärbare psychosomatische Symptomatik, aber eine systematische Erforschung von Einzelwahrnehmungen dieser Art unter Anwendung medizinwissenschaftlicher Methodik hat bisher nicht stattgefunden; entsprechende Berichte haben daher aus wissenschaftlicher Sicht zur Zeit nur sogenannten anekdotischen Charakter.

Die/Der nach den Regeln der Heilkunst (lege artis) arbeitende Ärztin/Arzt muss – nicht zuletzt zur Vermeidung von Kunstfehlern – aus ihrem/seinem Berufsverständnis heraus Skepsis walten lassen gegenüber neuen Konstrukten, deren Validität (Gültigkeit) medizinwissenschaftlich nicht bestätigt ist, was auch daran liegt, dass in der therapeutischen Praxis Phänomene wie Anosognosie (Krankheitsleugnung) und Hypochondrie (Krankheitseinbildung) Alltag sind.

Trotz der fehlenden gesicherten empirischen Basis unserer Behauptungen und der damit verbundenen argumentativen Schwäche wollen wir die eingangs erwähnten Anfragen nicht unbeantwortet lassen und haben daher ein Informationsblatt für VertreterInnen von Heilberufen zusammengestellt. Der IFHS ist allerdings ausgesprochen skeptisch bezüglich der Überzeugungskraft desselben, da TherapeutInnen vermutlich entweder von sich aus auf besondere Bedürfnisse der/des jeweiligen PatientIn eingehen oder sich eben sehr streng an die Grenzen des durch die Medizinwissenschaft Anerkannten halten werden, woran ein Informationsblatt irgendeines Vereins wohl wenig zu ändern vermag. Zwar kann ein Versuch nicht schaden; wir empfehlen aber bei anscheinend unüberwindlichen Schwierigkeiten, sich auf die Suche nach MedizinerInnen zu begeben, mit denen die "Chemie" eher "stimmt".

2. Fachliteratur für Pflegekräfte
Im Februar 2014 ist ein Aufsatz über die Pflege hochsensibler PatientInnen erschienen. Er ist anscheinend nicht peer-reviewed; angeschaut haben wir ihn uns auch noch nicht. Daher können wir nicht sagen, ob er empfehlenswert ist. Der Aufsatz mit dem Titel „Darf‘s ein bisschen weniger sein?! Hochsensible Patienten in der Pflege“ kann etwa bei Grin (Link) heruntergeladen und auch gedruckt bestellt werden.

3. Suche nach PsychotherapeutInnen
Noch häufiger als Fragen nach Ärzten erreichen uns Fragen nach PsychotherapeutInnen, die sich mit den besonderen Bedürfnissen Hochsensibler auskennen. Hier sind wir insofern in einer etwas glücklicheren Lage, als dass sich im Laufe der Zeit einige Therapeutinnen und Therapeuten bei uns gemeldet haben, die um Aufnahme in unsere Liste mit Kontakten vor Ort gebeten haben. Freilich ist diese noch sehr lückenhafte Liste auch abschließend; wer in größerer Distanz zu einem entsprechenden Angebot wohnt, ist auf die (erfahrungsgemäß z. T. frustrierende) eigene Suche nach TherapeutInnen verwiesen, die zufälligerweise mit Hochsensiblen gut umgehen können. Allgemeine Informationen zur Suche nach Psychotherapeuten finden sich hier:
http://www.bptk.de/patienten/einfuehrung.html.

4. Fachliteratur für PsychotherapeutInnen
Im Juli 2010 ist ein englischsprachiges Fachbuch für Psychotherapeuten erschienen, das sich mit den Besonderheiten der Behandlung von Hochsensiblen Personen auseinandersetzt. Eine Rezension des Buches "Psychotherapy and the Highly Sensitive Person" ist hier verfügbar.

5. Ausbildung zum Gesundheitscoach für Hochsensible
Aurum Cordis, das Kompetenzzentrum für Hochsensibilität in Buxtehude, bietet eine Ausbildung zum Gesundheitscoach für hochsensible Menschen an. Nähere Informationen hierzu finden sich unter:
http://www.aurum-cordis.de/veranstaltungen/131-Auf-den-Spuren-der-Seele-Ausbildung-zum-Gesundheitscoach-fuer-hochsensible-Menschen.


[26.02.2014]